Junglöwen werfen Titelverteidiger raus

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Bereits Minuten vor Spielende hält es keinen der Zuschauer in der vollbesetzten Kronauer Trainingshalle mehr auf den Sitzen, nach der Schluss-Sirene brechen dann endgültig alle Dämme: Die U17 der Rhein-Neckar Löwen steht im Halbfinale der Deutschen Meisterschaft und wirft den amtierenden Titelträger aus dem Wettbewerb. Nachdem sich das Team von Trainer Tobias Scholtes bereits vergangenen Sonntag mit einem 27:26-Auswärtssieg eine sehr gute Ausgangsposition fürs Weiterkommen gesichert hatte, machte der Löwen-Nachwuchs im zweiten Viertelfinal-Duell mit den Füchsen Berlin den Deckel drauf, setzte sich nach einer hoch spannenden Partie vor eigener Kulisse mit 25:23 (12:9) durch und entschied damit die Gesamtaddition aus Hin- und Rückspiel mit einem Plus von drei Toren für sich. Erfolgreichster Werfer des Abends war Felix Göttler mit neun Treffern.

„Das fühlt sich wahnsinnig gut an. Wir haben heute von Anfang an alles reingeworfen und diesen Halbfinaleinzug total gewollt. Deshalb haben wir uns auch in dieser spannenden Partie durchgesetzt“, freute sich Keeper Dave Hörnig, der in der Crunch-Time mit seinen Reflexen einen großen Anteil daran hatte, dass die Junglöwen ihren Vorsprung ins Ziel brachten.

Lob für den Schlussmann gab es auch vom Coach: „Wir hatten sowohl im Hinspiel als auch heute im Rückspiel eine überragende Torhüterleistung. Wir sind zwar nicht unbedingt als Favorit in dieses Viertelfinale gegangen, haben uns aber wie schon in den letzten Spielen in den entscheidenden Phasen nicht aus der Ruhe bringen lassen und unseren Matchplan durchgezogen. Das macht am Ende den Unterschied aus. Obwohl wir heute sicherlich nicht immer die besten Entscheidungen im Angriff getroffen haben, denke ich, dass wir in beiden Spielen die bessere Mannschaft waren“, meinte Tobias Scholtes nach der Partie und ergänzte: „Als Kronauer geht mir heute in dieser Halle einfach nur das Herz auf, diese wahnsinnige Stimmung und diese Mannschaftsleistung- einfach nur einzigartig. Jetzt sollen sich die Jungs feiern lassen und ab Montag starten wir dann mit den Vorbereitungen aufs Halbfinale.“

Hellwach in der Abwehr

Vor 400 lautstarken Fans erwischten die Gastgeber den besseren Start in die Partie. Die U17 der Löwen konnte nicht nur den ersten Angriff des Spiels durch Cedric Mayer erfolgreich abschließen, sondern zeigte auch von Beginn an eine konzentrierte Leistung in der Deckung. Die Junglöwen verschoben gut, gingen ihre Gegenspieler früh an und zwangen Berlin so in der Anfangsphase immer wieder an den Rand des Zeitspiels. Im Angriff hingegen ließ das Scholtes-Team gleich zwei sehr gute Chancen aus, was die Gäste nutzen konnten, um auf 2:3 vorzulegen. Dies sollte jedoch auch die letzte Führung des Hauptstadtklubs an diesem Abend gewesen sein.

Mit einem sehenswerten Rückhandwurf stellte Lennart Karrenbauer wieder auf 3:3, den ersten Steal des Löwen-Nachwuchses nutzte Marc Riffelmacher zum Gegenstoß, den der Flügelflitzer eiskalt mit dem Treffer zum 4:3 abschloss. In den darauf folgenden Minuten scheiterte Berlin wiederholt am Defensiv-Bollwerk der Gastgeber, die sich durch einen schnörkellosen Wurf von Felix Göttler in der 13. Minute bereits auf 8:4 absetzten und damit zu diesem Zeitpunkt schon doppelt so viele Tore auf dem Konto hatten als die Füchse. Berlins Trainer Fabian Lüdke reagierte, nahm die Auszeit und tatsächlich gelang es dem amtierenden Meister nach diesem Time-Out, den Rückstand zu verkürzen.

Dies lag jedoch weniger an den neuen taktischen Impulsen von der Füchse-Bank, vielmehr versäumten es die Junglöwen in dieser Phase, ihre Chancen konsequent zu nutzen. Nachdem Schröder den Anschlusstreffer zum 10:9 für die Hauptstädter erzielten, bewahrten die U17-Löwen in den letzten Minuten der ersten Hälfte jedoch kühlen Kopf: Marc Hartmann netzte zum 11:9 ein, Felix Göttler erzielte den zwölften Treffer für die Gastgeber. Keeper Dave Hörnig packte zudem noch zwei spektakuläre Paraden obendrauf und so gingen die Gelb-Blauen mit einer 12:9- Führung in die Kabinen.

Nichts für schwache Nerven

Nach dem Wechsel setzte Berlin auf eine offensivere Deckungsvariante, doch davon zeigten sich die Junglöwen wenig beeindruckt. Sie nutzten geschickt die sich dadurch bietenden Räume, schlossen erfolgreich ab und hielten dadurch die Gäste weiter auf Distanz (16:12/30.). Die Füchse stellten ihre Abwehrformation daraufhin wieder um, doch auch hier fanden die Hausherren die richtigen Mittel und behaupteten ihre Vier-Tore-Führung (19:15). Berlin forcierte noch einmal das Tempo, der starke Dave Hörnig verhinderte jedoch, dass der Titelverteidiger in dieser Phase näher als zwei Tore herankam (19:17/ 38.). Mit drei Treffern in Folge verschaffte Felix Göttler den Junglöwen wieder etwas Luft (22:18), doch entschieden war diese Partie noch lange nicht.

Beim Spielstand von 22:20 brachen in der Kronauer Trainingshalle die letzten zehn Minuten an und diese entwickelten sich zu einem wahren Handball-Krimi. Nachdem Marc Riffelmacher an Berlins Keeper Max Grundmann scheiterte, brachte Schröder die Gäste auf 22:21 heran. Auch Felix Göttler fand in Grundmann seinen Meister und so bot sich den Gästen sieben Minuten vor Schluss die Möglichkeit zum Ausgleich. Doch die Junglöwen warfen in der Abwehr alles in die Waagschale, verhinderten so das Kreisanspiel und sicherten sich den wichtigen Ballgewinn. Diesen konnte Lennart Karrenbauer zu seinem fünften Treffer des Abends nutzen- 23:21 (44.). Und die U17-Löwen ließen die nächste starke Defensivaktion folgen, konnten jedoch kein Kapital daraus schlagen. Nach einem Wurf der Füchse in den Block zog Cedric Meyer auf und davon, scheiterte jedoch beim Abschluss.

Die Gastgeber blieben in dieser heißen Phase jedoch ganz cool und abgezockt: Alexander Momber markierte in der 47. Minute das 24:21 und Marc Riffelmacher sorgte nach einem weiteren Gegentreffer der Berliner für das entscheidende Tor zum 25:22 (48.). Während bei den Zuschauern auf den Tribünen in den letzten 90 Sekunden bereits die Siegesfeierlichkeiten begannen, kämpften die Gäste auf dem Spielfeld noch einmal um ihre letzte Chance. Doch mehr als ein Tor nach einem Siebenmeter war für die Füchse nicht mehr drin.

So geht es weiter

Der Halbfinalgegner der U17-Löwen bei der Deutschen Meisterschaft ist der TSV Bayer Dormagen. Das Hinspiel in der Runde der letzten vier ist für Donnerstag, den 26. Mai um 17 Uhr in Dormagen angesetzt, die entscheidende Partie um den Einzug ins Finale ist am 28. Mai um 16 Uhr im Vorfeld des Endspiels der U19 in der Stadthalle Östringen, die genauen Termine gibt es hier.

Tore für die Löwen U 17: Felix Göttler (9), Lennart Karrenbauer (5), Marc Riffelmacher (3), Theo Sommer (3), Cedric Mayer (2), Alexander Momber (2), Mark Hartmann (1).

Quelle: Kai Henninger – Pressesprecher der Junglöwen