Steigerung im Schlussdrittel zeigt bei den Löwen wieder Spaß am Handball

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Nach sechzig Minuten bejubelten die Anhänger der Rhein-Neckar Löwen einen deutlichen 32:21 Heimsieg gegen die HSG Wetzlar. Die Differenz von zehn Toren kam allerdings erst durch eine Steigerung der Gelbhemden im letzten Drittel zustande.

Vergessen waren eine durchwachsene erste Hälfte und eine mühevolle Startphase in den zweiten Durchgang. Die Löwen gingen als klarer Favorit in die Begegnung mit den Hessen, wurden dieser Rolle in den ersten zwei Dritteln aber nicht gerecht. Die Badener zeigten sich im Angriff deutlich verbessert gegenüber den letzten Partien und entwickelten vor allem aus dem Rückraum mit Weltmeister Mads Mensah, Spielmacher Andy Schmid und dem wurfstarken Alexander Petersson enormen Druck auf das Tor der Gäste. Der Rückraum war es dann auch, der bis zur 20. Minute den zweifachen Deutschen Meister ständig in Führung brachten. Einzig Linksaußen Gudjon Valur Sigurdsson drückte sich mit drei Toren in der Statistik dazwischen. Aber schon in dieser Phase konnten die Hausherren froh sein, dass Torhüter Andreas Palicka sofort im Spiel war und mit vier Paraden in der Anfangsphase verhinderte, dass Wetzlar nicht mehr Schaden anrichten konnte. Die Abwehr der Gelbhemden fand zunächst keine Einstellung zum System der HSG, bei der vor allem die beiden Außen es immer wieder schafften in den Rücken der Deckung der Schützlinge von Trainer Nikolaj Jacobsen zu gelangen. Daraus entwickelten sich zunächst Chancen für die beiden Rückraumschützen Stefan Cavor und Olle Forsell Schefvert, die diese auch konsequent nutzten. Bis Mitte der ersten Hälfte schafften es die Hessen die Führungen der Gastgeber sofort wieder auszugleichen, was der Truppe von Trainer Kai Wandschneider immer mehr Selbstvertrauen gab. Am Ende des ersten Drittels produzierten die Löwen erneut einen unnötigen Ballverlust, den Kreisläufer Anton Lindskog zur ersten Führung der Gäste hinter Palicka unterbrachte. Zwar drehte Kapitän Schmid den Spieß postwendend und legte mit zwei Treffern zum 12:11 vor, aber nach der Auszeit von Kai Wandschneider wirkten die Hessen abermals konzentrierter und zwangen die Hausherren mit 12:13 in die Verfolgerrolle. Erneut waren es kleine Unachtsamkeiten im Angriff der Löwen, die den Grün-Weißen den Vorteil brachten.

Trainer Jacobsen reagierte und brachte Mikael Appelgren für seinen schwedischen Kollegen zwischen die Pfosten, nachdem Palicka in den letzten Minuten keine Hand mehr an den Ball brachte. Der blonde Hüne war sofort mit einer Glanztat zur Stelle und wehrte einen Durchbruch von Spielmacher Filip Mirkulovski ab. Im Gegenzug markierte Schmid den Ausgleich zum 13:13. Nikolaj Jacobsen änderte zusätzlich noch die Abwehrformation auf 5:1 und beorderte Sigurdsson auf die Spitze. Mit dieser Umstellung kamen die HSG Akteure nicht zurecht und waren bis zum Pausensignal ungefährlich, zumal Appelgren seinen Kasten in dieser Phase zunagelte. Schmid und Petersson schraubten in der Schlussphase das Ergebnis noch auf 15:13 und schufen eine beruhigende Grundlage für den zweiten Durchgang.

Nach Wiederanpfiff kassierte Lindskog gleich eine Zeitstrafe und ermöglichte den Gastgebern die Gelegenheit, den Vorsprung auf vier Tore auszubauen. Allerdings trug dies nicht dazu bei, dass die Aktionen der Löwen sicherer wurden. In diesem Abschnitt ließen die Badener erneut viele Chancen liegen und versäumten es, den Vorsprung weiter zu erhöhen. Zu allem Unwillen der 7083 Zuschauer scheiterten Sigurdsson und Schmid auch noch von der Siebenmeterlinie an Tibor Ivanisevic, der in der zweiten Halbzeit bei den Gästen das Tor hütete. Appelgren wollte seinem Kollegen in nichts nachstehen und entschärfte dazwischen mal schnell einen Strafwurf von Maximilian Holst. Nach dem Fehlwurf von Schmid kam Wetzlar durch den Treffer von Schefvert auf 19:17 heran und Jacobsen sah sich gezwungen erneut den grünen Karton zu bewegen. Anscheinend kamen seine Worte bei der Mannschaft gut an, denn trotz einer Zeitstrafe gegen Gedeon Guardiola erhöhten Mads Mensah und Kreisläufer Jannik Kohlbacher auf 21:17 und brachten den Motor auf Touren. Angetrieben von Kapitän Schmid schalteten die Löwen deutlich einen Gang höher. Nach dem dritten Treffer von Vladan Lipovina, der in der zweiten Hälfte für Petersson im rechten Rückraum agierte, hatten die Hessen sichtlich Probleme die Temposteigerung des deutschen Pokalsiegers mitzugehen. Viermal schlugen die Würfe des Schweizer Spielmachers im Gehäuse von Ivanisevic ein und brachten vor Beginn der Schlussphase die Vorentscheidung in dieser Begegnung. Die SAP-Arena erlebte nach langer Zeit mal wieder richtige Löwen-Stimmung. Trainer Wandschneider hatte inzwischen begonnen, einigen seiner Leistungsträger Ruhepausen auf der Bank zu gönnen, was in Anbetracht der anstehenden Hausaufgabe am Sonntag gegen den HC Erlangen auch sehr sinnvoll erschien. Die Hausherren hatten inzwischen auch wieder erkennbar Spaß am Handball entwickelt und Schmid servierte zweimal in Folge für Sigurdsson zum Kempawurf, die der Isländer sauber verwertete. Dreieinhalb Minuten vor dem Ende markierte Schmid mit seinem elften Treffer das 30:20 und schraubte die Differenz in den zweistelligen Bereich. Nach einem Gegentreffer von Nils Torbrügge setzte Filip Taleski mit seinem Tor zum 31:21 den Schlusspunkt unter die Partie.

Die Bauherren dieses wichtigen Erfolges waren auf Seiten der Löwen sicher Kapitän Andy Schmid, der mit elf Toren bester Werfer seines Teams war und zusätzlich noch vier Vorlagen zu weiteren Treffern lieferte. Ihm stand nach seiner Einwechslung ein reaktionssicherer Mikael Appelgren zur Seite, der mit neun Paraden und nur acht Gegentoren eine Quote von 53% erreichte. Die Leistung, die die Mannschaft im letzten Drittel auf die Platte brachte, ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung und wird sicher am Mittwoch zusätzlich Zuschauer zur Partie in der Champions League gegen Nantes in die Arena locken.

 

Für die Löwen spielten: Mikael Appelgren, Andreas Palicka – Andy Schmid (11), Vladan Lipovina (3), Gudjon Valur Sigurdsson (6/1), Bogdan Radivojevic (1), Jerry Tollbring, Ilija Abutovic, Mads Mensah (4), Patrick Groetzki, Filip Taleski (1), Gedeon Guardiola, Alexander Petersson (4), Jannik Kohlbacher (1)

Für Wetzlar spielten: Till Klimpke, Tibor Ivanisevic – Stefan Kneer (1), Kristian Björnsen (1), Joao Ferraz, Ian Weber, Filip Mirkulovski (2), Hendrik Schreiber, Nils Forsell Schefvert (5), Maximilian Lux, Anton Lindskog (5), Stefan Cavor (3)