Der „Tag des Handballs“ – tolle Werbung für diese Sportart

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Karlsruhe (esch). Als vor etwa anderthalb Jahren der damalige Manager der Rhein-Neckar-Löwen Thorsten Storm und der Manager der Commerzbank Arena, Patrick Mayer, mit der Idee an die Öffentlichkeit traten in Frankfurt den „Tag des Handballs“ zu begehen, hatten bestimmt nur wenige die Vorstellung welch überragendes Event da ins Leben gerufen wurde. Am vergangenen Samstag war es dann soweit, um Punkt 10.00 Uhr wurde die Veranstaltung mit dem Anpfiff der Jugendturniere gestartet und übertraf in vielen Punkten die Erwartungen.

Szene aus dem Halbfinale C-Jugend (Foto:cls)
Szene aus dem Halbfinale C-Jugend (Foto:cls)

Zu den Jugendturnieren waren 80 Mannschaften der weiblichen und männlichen C- und D-Jugend angetreten. Auf 16 Rasenspielfeldern vor den Toren der Arena trugen sie zunächst die Vorrunde aus. In jeder Altersklasse gingen je fünf Teams in vier Gruppen ins Rennen und ermittelten im Modus „Jeder gegen Jeden“ die Gruppensieger. In den ersten Spielrunden hatten die Akteure noch Probleme, da der leichte Nebel die Rasenfläche feucht hielt. Aber dann hatte der Wettergott ein Einsehen und ließ die Sonne mit voller Kraft wirken. In Kürze waren die Spielflächen abgetrocknet und es herrschten ideale Bedingungen. Die beteiligten Mannschaften hatten eine Vielzahl an Fans mitgebracht, die den Spielen einen würdigen Rahmen gaben. DHB Präsident Bernhard Bauer war begeistert „wie viel Menschen schon bei den Jugendspielen ihr Interesse an unserem Sport zeigten“. Der Hessische Handball-Verband hatte die Organisation der Jugendturniere übernommen und dafür auch 32 Schiedsrichter nach Frankfurt eingeladen. Bei der Vielzahl der Spiele war es für die Presse sehr hilfreich, dass die Ergebnisse ständig über das Internet abgerufen werden konnten. Alle Gruppensieger hatten sich für die Halbfinalbegegnungen qualifiziert, die ebenfalls noch auf Rasen ausgetragen wurden.
Bei der weiblichen D-Jugend hatten sich TV Großwallstadt, JSG Langenhain/Breckenheim, SG Meissenheim/Nonnenweiler und TSV Birkenau qualifiziert. Bei der männlichen D-Jugend kamen TuS Helmlingen, SVW 06 Ahnatal, TSV Ebersberg und Lethmather SV als Gruppensieger weiter. Das Halbfinale der weiblichen C-Jugend erreichten SG

Szene aus dem C-Jugendturnier weiblich (Foto: cls)
Szene aus dem C-Jugendturnier weiblich (Foto: cls)

Meissenheim/Nonnenweiler, HG Saase, TSV Wolfschlugen und TV Arzheim. Bei der männlichen C-Jugend schafften zwei badische Teams den Sprung ins Halbfinale, die HG Oftersheim/Schwetzingen und die SG Kronau/Östringen, die dann leider in der Vorschlussrunde aufeinander trafen. Die zweite Begegnung bestritten die HSG Großen Buseck/Beuern und MJSG Rüsselsheim/Bauschheim. Die Sieger dieser acht Halbfinalpartien durften die Endspiele auf dem Hauptfeld in der Arena austragen. Den Turniersieg bei der weiblichen D-Jugend errang die SG Meissenheim/Nonenweiler (Südbaden) mit einem 13:12 Sieg gegen den TV Großwallstadt. Nach Westfalen ging der Sieg bei der männlichen D-Jugend, da der Letmather TV sich gegen den TuS Helmlingen (Südbaden) mit einem knappen 8:7 Erfolg durchsetzte. Das weibliche C-Jugendfinale war ein Duell zweier Mannschaften aus Baden Württemberg. Der TSV Wolfschlugen (HVW) hatte am Ende mit 14:12 die Nase gegen die HG Saase (BHV) vorn. Das Finale der männlichen C-Jugend entschied die HG Oftersheim/Schwetzingen (BHV) mehr als deutlich mit einem 12:4 Erfolg gegen die Hessen von der HSG Großen-Buseck/Beuern für sich. Inzwischen hatten sich schon viele Fans im Stadion eingefunden, die die Turniersieger mit großem Beifall feierten. Für alle Teilnehmer war diese Veranstaltung ein tolles Erlebnis, das sie so schnell nicht vergessen werden.

Parallel zu den Jugendspielen waren zahlreiche Stationen in einer Fan-Meile aufgebaut, die Zuschauer und Teilnehmer zum Mitmachen einluden. So waren auf dem Vorfeld sechs Stationen der neuen Sportart HOLF, einer Kombination aus Handball und Golf, installiert, die große und kleine Sportler aufforderten zum Soft-Ball zu greifen. Diese alternative Spielform wurde vom Badischen Handball-Verband entwickelt und zeigte beim „Tag des Handballs“ wie vielseitig und unkompliziert sie zu handhaben ist. Auf der Bühne des Trucks der Stiftung Deutsche Sporthilfe fanden zwei Podiumsdiskussionen statt, die von Anett Sattler von Sport 1 moderiert wurden. Zu den beiden Themen „Vom Handballzwerg zum Profispieler – der lange Weg bis zur Bundesliga“ und „Handball und Entertainment – wie viel Show braucht der Sport?“ konnte Sattler hochkarätige Teilnehmer begrüßen. Die Fan-Meile und die Spielstationen wurden bis kurz vor Beginn des Prominentenspieles rege besucht.
Bericht und Stimmen zu der Begegnung zwischen „Team Buschi“ und „Team Kretzsche“ werden unter www.handball-baden.de getrennt angeboten.
Im Internet und in den Medien fand der „goldgas Tag des Handballs“ eine riesige Beachtung. Sport 1 berichtete mehr als drei Stunden live aus der Arena. Gleichzeitig waren 45 europäische Länder dieser Übertragung angeschlossen und sogar nach Katar war die Leitung geschaltet. Schon morgens fanden sich viele Fernsehteams auf dem Vorfeld ein, um über die Jugendspiele zu berichten. Die Zahl der Fotografen und Vertreter der schreibenden Presse überstieg alle Erwartungen. Der Geschäftsführer der Löwen, Lars Lamadé bemerkte auf der Pressekonferenz: „Welches Interesse diese Veranstaltung bei der Presse hervorgerufen hat, erkennt man an der Anzahl der Vertreter, die sich hier eingefunden hat. Ein Vielfaches zur Konferenz in der SAP-Arena.“
Wenn man sich während des Tages unter die Zuschauer gemischt hat, hat man überall nur positive Reaktionen mitbekommen. Attribute wie toll, gigantisch, phantastisch oder einfach geil waren vielfach zu hören und drückten allerorts die Begeisterung über diesen Tag in der Commerzbank Arena aus. Es war nicht allein der Weltrekord, der auch wichtig war, sondern das Interesse am Handball allgemein, der die Massen nach Frankfurt lockte.
Der Präsident des Deutschen Handballbundes, Bernhard Bauer, äußerte sich im Interview mit Anett Sattler: „Der heutige Tag ist ein Leuchtturmprojekt für den Handball. Wir brauchen solche Events, um die Sportfans für den Handball zu begeistern“. Uwe Schwenker, Präsident des Ligaverbandes HBL sagte dazu: „Der Weltrekord ist ein schöner Begleiteffekt. Das Rundherum ist für mich viel wichtiger.“

Besonders bedanken muss man sich bei den Organisatoren dieser Veranstaltung. Die Commerzbank Arena, die Rhein-Neckar-Löwen und der Hessische Handball-Verband haben in den anderthalb Jahren der Vorbereitung und am Tag selbst beeindruckende Arbeit geleistet. Für die Löwen zog der neue Geschäftsführer Lars Lamadé ein Fazit: „Ich bin extrem glücklich, dass alles so gut gelaufen ist. Von der Organisation, der Logistik und der Zuschauerzahl passte alles zusammen. Für uns wurde es ein Heimspiel, obwohl es hier in Frankfurt stattfand. Da muss man auch unserem Hallensprecher Kevin Gerwin danken, der es verstanden hat das Publikum auf zu putschen. Natürlich sind wir auch glücklich, dass die zwei Punkte eingefahren wurden.“ Auf die Frage, ob er diese Veranstaltung wiederholen würde antwortete er: „Auf jeden Fall denke ich. Für unseren Sport war es nur positiv. Wenn ich überlege, welche Aufmerksamkeit dieses Event vorher in den Medien bekommen hatte und was Kretzsche und Buschi noch dazu beigetragen haben. Für den Handball war es in der Summe eine super Veranstaltung, um diese Sportart wieder in die Öffentlichkeit zu bringen. Der Tag des Handball hat alle Erwartungen mehr als erfüllt.“
Der Mitorganisator Thorsten Storm war nach dem Prominentenspiel schon zufrieden und zog eine positive Zwischenbilanz: „Ich habe mir den Vormittag angeschaut und habe viele Kinder gesehen, die sehr glücklich ausgesehen haben. Viele Bundesligaspieler haben sich schon vorher für die Idee bedankt. Wir wollten rüberbringen, dass der Nachwuchsbereich und der Spitzensport zusammen gebracht werden können und das ist uns gelungen.“

Stefan Kretzschmar (Foto: cls)
Stefan Kretzschmar (Foto: cls)

Stefan Kretzschmar, der zu jeder Zeit voll hinter dieser Veranstaltung stand meinte: „Für mich ist heute nur wichtig, dass die Handballbundesliga, der DHB, die Vereine und Verbände zusammenarbeiten. Wenn wir sehen was heute mit den Kindern passierte, welche Resonanz die Turniere hervor gerufen haben, dann muss man zufrieden sein. Ich bin auch der Meinung, dass man sich bei Frank Buschmann gar nicht genug bedanken kann. Was der Mann für unsere Sportart, mit der er an sich gar nichts zu tun hat, getan hat, kann man gar nicht richtig bemessen. Dass so ein Tag wie heute überhaupt stattfindet ist zum einen sehr mutig, mutig von den Rhein-Neckar-Löwen, so etwas initiiert zu haben, zum anderen ist es für uns alle geil. Das Treffen mit den ganzen alten Kameraden war wie ein Klassentreffen. Für alle, die in den beiden Teams aufgelaufen sind war es keine Verpflichtung, sondern eine Herzensangelegenheit. Wichtig ist, dass die Veranstaltung jetzt eine gewisse Nachhaltigkeit bekommt.“
Ein Handballfest in dieser Größenordnung gab es bisher noch nie und rief solch eine Begeisterung hervor, dass viele Stimmen laut werden, dass man solch eine Veranstaltung wiederholen sollte. Es muss nicht immer ein Weltrekord dabei angestrebt werden, man könnte auch einen kleineren Rahmen wählen.