Zwei Punkte für die Rhein-Neckar-Löwen im Weltrekordspiel

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ZuschauerzahlFrankfurt/Karlsruhe (esch). In ungewohnter Umgebung boten die beiden Bundesligateams der Rhein-Neckar-Löwen und des HSV Handball Hamburg vor der Weltrekordkulisse von 44 189 Zuschauern in der Frankfurter Commerzbank Arena ein bemerkenswertes Spiel. In der ersten Hälfte zeigte der Tabellenführer eine glänzende Leistung und spielte die Norddeutschen mit 17:8 an die Wand. Nach dem Wechsel konnten sich die Hanseaten besser auf die Bedingungen einstellen und lieferten den Löwen den erwarteten Widerstand. Der HSV entschied die zweite Hälfte mit 11:18 für sich, aber unter dem Strich blieb den Löwen ein 28:26 Heimsieg. Die Badener schlossen damit die 25. Heimpartie in Folge mit einem Heimerfolg ab und verteidigten mit 8:0 Punkten die Tabellenführung.
Der dänische Coach der Gastgeber nannte in der Pressekonferenz auch die Ursachen, weshalb seine Schützlinge die zweite Halbzeit abgaben: „Wir haben zu Beginn der zweiten Halbzeit auf 80% runter geschaltet. Als wir spürten, dass der HSV aufkommt war es zu schwer sofort wieder auf 100% hoch zu fahren. Gegen Ende wollte ich auch den restlichen Spielern den Spaß gönnen, bei diesem besonderen Spiel dabei gewesen zu sein.“
Patrick Groetzki war froh darüber, dass beide Punkte gesichert werden konnten. Es störte ihn aber sichtlich, dass im vierten Spiel zum dritten Male nur eine Halbzeit gut gelungen war: „Wir hatten uns eigentlich vorgenommen den Sack nach dem Wechsel schnell zuzumachen, den HSV nicht mehr ins Spiel kommen zu lassen. Uns hat dann allerdings die Aggressivität in der Abwehr gefehlt“, bilanzierte der Nationalrechtsaußen.

Petersson war erfolgreichster Werfer (Foto: cls)
Petersson war erfolgreichster Werfer (Foto: cls)

Die Commerzbank Arena, in der normalerweise der Fußball-Bundesligist Eintracht Frankfurt seine Heimspiele austrägt, war sehr gut gefüllt. Auf dem Rasen war das Originalfeld aus der SAP-Arena verlegt worden. Mit 44 189 Zuschauern überboten die Löwen den alten Rekord aus dem Jahre 2011, aufgestellt beim dänischen Finale in Kopenhagen um fast 8 000 Fans.
Alexander Petersson gelang der Auftakt zu diesem Spektakel und die Spieler erlebten sofort zu welch unbeschreiblichen Lärm diese Kulisse fähig war. Der deutsche Vizemeister agierte vom Anpfiff weg in der Abwehr sehr konzentriert und ließ den HSV nie richtig ins Spiel kommen, hinzu kam, dass Niklas Landin-Jacobsen seinen Gegenüber Johannes Bitter klar in den Schatten stellte. Aus dieser Abwehr mit einem überragenden Mittelblock Stefan Kneer und Gedeon Guardiola trugen die Gelbhemden ihre Angriffe vor. Bis zur sechsten Minute lagen die Badener durch Treffer von Groetzki, Kim Ekdahl du Rietz und erneut Petersson mit 4:1 in Front. Sie verstanden es in der Folgezeit immer wieder ihren Kreisläufer Bjarte Myrhol in Szene zu setzen, der mit zwei Toren den Zwischenstand von 6:3 sicherte. Gästetrainer Christian Gaudin hatte genug gesehen und zückte die grüne Karte. Aber auch nach der Auszeit kam der HSV nicht ins Rollen. Landin-Jacobsen machte hinten dicht und vorne legten du Rietz, Kneer und Petersson (2x) nach, so dass der Vorsprung auf 10:4 angewachsen war. Gerade der

Kim Ekdahl du Rietz war schwer zu bremsen (Foto: cls)
Kim Ekdahl du Rietz war schwer zu bremsen (Foto: cls)

letzte Treffer durch den Isländer war ein Beweis von der Überlegenheit der Löwen, als Groetzki nach einem Fußfehler von Hanisch den Freiwurf sofort ausführte und Petersson zum Gegenstoß schickte. Beim nächsten Tor der Hamburger verletzte sich Kneer und musste auf der Bank behandelt werden, konnte aber mit einem Kopfverband weitermachen. Bei der gleichen Aktion wurde auch der rumänische Neuzugang des HSV, Alexandru Simicu, verletzt und konnte nicht mehr eingesetzt werden. Die Blau-Weißen scheiterten sogar von der Siebenmeterlinie, da „Toto“ Jansen die Latte im Wege stand. Die Hamburger schwächten sich durch unnötige Zeitstrafen selbst und kassierten in Unterzahl weitere Treffer, zumal die Gastgeber in der Schlussphase der ersten Hälfte noch einmal das Tempo erhöhten. Die Abwehr machte in diesem Abschnitt fast komplett dicht und vorne bauten die Gelbhemden den Vorsprung auf neun Treffer aus. Mit einem deutlichen 17:8 für die Badener wurden die beiden Teams mit lautem Beifall in die Kabinen verabschiedet.
Trainer Gaudin schien in der Pause seinen Profis eine andere Marschroute mitgegeben zu haben. Die Blau-Weißen kamen wesentlich früher aus der Kabine zurück als ihre Kontrahenten vom Spitzenreiter. Nationalspieler Adrian Pfahl gab den ersten Warnschuss für die Löwen ab, scheiterte mit dem nächsten Versuch aber an Landin-Jacobsen. Petersson antwortete zwar noch einmal, aber danach bestimmten die Gäste das Geschehen. Sie erzielten drei Tore in Folge und Trainer Jacobsen nahm eine Auszeit, um seine Jungs wieder in die Spur zu bringen. Nach der Pause ließ das Löwenrudel die Aggressivität von Hälfte eins vermissen und hatte auch im Angriff nicht mehr die vorher gezeigte Power. Kapitän Uwe Gensheimer traf zwar von der Linie, aber seine Mannschaft musste in den ersten zwölf Minuten der zweiten Hälfte schon so viele Gegentreffer hinnehmen wie in der gesamten Ersten. Den Gelbhemden fiel es sichtlich schwer den Schalter um zu legen, damit sie wieder das Niveau erreichten wie vor der Pause. Ab Mitte der zweiten Hälfte gelang es den Badenern wenigstens den Schwung der Hamburger zu bremsen, die sich inzwischen bis auf vier Tore heran gekämpft hatten. Der Erfolg schien in Gefahr zu geraten und die Zuschauer feuerten in Team wieder verstärkt an, nachdem nach der Pause der Lärmpegel geringer geworden war. Pettersson wuchtete die Harzkugel aus dem Rückraum ein und brachte kurz darauf einen Gegenstoß hinter Bitter unter, der in der zweiten Hälfte wieder im Gehäuse der Hanseaten stand. Mit diesen beiden Treffern hatte die Gastgeber die Partie wieder unter Kontrolle, verpassten es aber, den Sack endgültig zu zumachen. Es wurden zu viele Chancen liegen gelassen, wie zum Beispiel Gensheimer, der einen Siebenmeter vergab.

Die Abwehr stand meistens richtig (Foto: cls)
Die Abwehr stand meistens richtig (Foto: cls)

Als Spielmacher Andy Schmid sieben Minuten vor dem Schlusspfiff mit seinem Treffer das 27:21 erzielte, feierten die Zuschauer den Erfolg wiederholte Male mit der Laola-Welle. Trainer Jacobsen nahm Niklas Landin-Jacobsen von der Platte und brachte Bastian Rutschmann zwischen die Pfosten. Mit Stefan Sigurmannsson, Tim Suton und Harald Reinkind durften in der Schlussphase die Spieler auf die Platte, die bis dahin noch nicht zum Einsatz kamen. Anfang der 58. Minute machte Myrhol den Deckel endgültig drauf als er das 28:23 erzielte. Die letzten anderthalb Minuten nutzte der HSV zur weiteren Ergebniskosmetik, aber an dem Sieg der Löwen gab es nichts mehr zu rütteln.
Manager Christian Fitzek lobte in erster Linie jene Leute, die dieses Spektakel auf den Weg gebracht hatten. Zum Spiel meinte er: „Ich glaube, dass die Atmosphäre unsere Mannschaft zunächst gelähmt hat. Wir haben den Schwung , diese Emotionen von den Rängen nicht in positive Energie umwandeln können. Im Gegenteil, es sah aus als seien wir 10-15% langsamer als die Rhein-Neckar-Löwen. Unser Trainer hat in der Halbzeit die richtigen Worte gefunden, so dass wir in der zweiten Halbzeit das wahre Gesicht gezeigt haben.“

Trainer Jacobsen: „Natürlich bin ich zufrieden, dass wir solch eine große Veranstaltung gewonnen haben. Ich hatte vor dem Spiel zu den Jungs gesagt, dass es nur dann ein tolles Erlebnis wird, wenn wir beide Punkte holen. Es ist uns gelungen, weil wir in der ersten Halbzeit sehr gut gespielt haben. Wir haben heute nicht sehr über die Außen agiert, sondern mehr über den Rückraum und den Kreis. In der zweiten Halbzeit bin ich mit den ersten zwölf Minuten überhaupt nicht zufrieden. Wir haben das Spiel dann wieder in den Griff bekommen und sind auf sechs, sieben Tore davon gezogen. Dass es am Ende nur noch zwei Tore waren, nehme ich auf meine Kappe. Ich wollte dass alle Spieler agen können, dass sie beim Weltrekordspiel aktiv dabei waren.“
für die Rhein-Neckar Löwenspielten: Niklas Landin-Jacobsen, Bastian Rutschmann (ab 55.) – Andy Schmid (3), Uwe Gensheimer (4/3), Stefan Kneer (1), Tim Suton, Bjarte Myrhol (5), Mads Mensah Larsen (1), Patrick Groetzki (3), Harald Reinkind, Gedeon Guardiola (1), Alexander Petersson (8), Kim Du Rietz (2), Stefan Sigurmannsson
Für den HSV Hamburg spielten: Johannes Bitter, Ma-Henri Herrmann (16. – 30. und ab 48.) – Kevin Schmidt, Stefan Schröder (2), Alexandru Simicu, Torsten Jansen (3), Matthias Flohr (1), Henrik Toft Hansen (2), Hans Lindberg (5/2), Richard Hanisch (5), Kentin Mahé (5), Davor Dominikovic, Pascal Hens (1), Adrian Pfahl (2)