Martin Schwalb hat Bock auf den Trainerjob

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Stunden vor dem Heimspiel gegen Liberbank Cuenca im EHF-Cup führten die Rhein-Neckar Löwen in einer eigens dafür einberufenen Pressekonferenz ihren neuen Cheftrainer Martin Schwalb in das Amt ein. Geschäftsführerin Jennifer Kettemann erläuterte noch einmal die Entscheidung der Vereinsgremien, die zu der Trennung von Kristjan Andresson geführt hatte und die Neuverpflichtung des gebürtigen Schwaben bei den Badenern brachte. 

Martin Schwalb
Foto: cls

Schon in den ersten Sätzen des neuen Trainers wurde klar, dass die Löwen den richtigen Mann für diesen Job gewählt haben. Martin Schwalb machte den anwesenden Pressvertretern klar, dass in den sechs Jahren, in denen er nicht mehr an den Seitenlinien in irgendeiner Handballhalle aktiv war, nichts von seinem Grundsatz verloren ging: „Ich bin Trainer im Herzen und war immer Trainer im Herzen. Ich habe nie normal Handball geschaut, in meinem ganzen Leben noch nicht. Ich versuche immer, zu analysieren und zu überlegen, wie man es besser machen kann.“

Als am Sonntagmorgen dann die Gespräche mit Frau Kettemann und dem sportlichen Leiter der Löwen, Oliver Roggisch, begannen war für den Trainer „mit Leidenschaft“ auch schnell klar, dass dies der richtige Verein ist: „Ich habe immer gesagt, auch zu meinem Berater: Wenn der richtige Verein kommt, ist es für uns selbstverständlich, dass wir in Gespräche gehen.“ Auf die Frage, weshalb gerade die verunsicherten Löwen dieser richtige Club sein könnten, antwortete er: „Der Verein, die Struktur des Vereins, die Mannschaft, die Ziele, die Fans“. Mit Überzeugung und viel Feuer fügte er hinzu: „Da habe ich Bock drauf auf die Bank, Mega Bock.“

Offen stellte er sich den Fragen der Pressevertreter, die zuerst natürlich wissen wollten, wie er seine Arbeit beim Sechstplatzierten der Bundesliga beginnen wolle. „Man soll an unserem Handball erkennen: Das sind die Löwen,“ erläuterte Martin Schwalb und fügte hinzu: „Wir wollen taktische Voraussetzungen schaffen, die die Mannschaft wieder erfolgreich werden lassen.“ Nach kurzer Überlegung ergänzte der erfahrene Coach: „Ich bin jedoch kein Fantast, sondern Realist. Als solcher weiß man, dass auch Rückschläge kommen werden.“ 

Martin Schwalb am ersten Arbeitstag für die Löwen
(Foto: cls)

Bis zu diesem Zeitpunkt hatte Martin Schwalb noch keine Minute mit der Mannschaft gearbeitet. Er ist sich aber bewusst, dass da keine lange Eingewöhnungszeit notwendig wird, denn immerhin sind im Team der Gelhemden echte Profis am Werk. Die Ziele, die jetzt gesetzt werden müssen, erfolgen immer in Zusammenarbeit mit Oliver Roggisch und der Mannschaft. 

Martin Schwalb wurde auch auf seinen Gesundheitszustand angesprochen. Er erlitt im Sommer 2014 einen Herzinfarkt, so dass sogar eine Notoperation erfolgen musste. Der Sportler Schwalb zog auch daraus seine Lehren: „Ich achte sehr auf mich, rauche nicht mehr. Ab und zu genehmige ich mir ein Gläschen Wein. Ihr braucht euch keine Sorgen zu machen, ich bin topfit. Ich habe auch das ärztliche OK.“ Beeindruckt haben aber auch seine zusätzlichen Äußerungen: „Ich freue mich darauf, wieder meine Emotionen ausleben zu dürfen. Das sind die schönsten Tage im Leben, wenn man das kann.“

Genau darauf hofft auch Oliver Roggisch: „Ich kenne Martin eigentlich nur als Teamplayer, der viel Emotionen in die Unternehmung einbringen wird. Die Mannschaft ist nun in der Pflicht.“

Martin Schwalb hat in seiner Funktion als „Sky-Experte“ Gelegenheit gehabt, die Löwen intensiv zu beobachten: „Die Mannschaft hat viel Potenzial. Ich vermisse im Moment etwas Struktur und natürlich Stabilität in der Abwehr. Unter Druck kassiert man eben auch duselige Gegentore.“ Er will versuchen möglichst schnell alle ins Boot zu holen und sieht keine Notwendigkeit, irgendwelche Häuptlinge im Team zu ernennen: „Häuptlinge ergeben sich auf der Platte und werden nicht vom Trainer ernannt. Die Hierarchie im Team wird nicht vom Trainer aufgedrückt.“

Nach einigen skandinavischen Trainern hält nun ein deutscher Experte Einzug in der SAP-Arena. Für Oli Roggisch ist dieser Umstand sehr wichtig, denn er ist sich sicher, dass die Kommunikation zwischen Coach und Spielern enorm an Bedeutung gewinnen wird. Martin Schwalb ist ein Vollbluttrainer und wird das Löwenteam wieder auf Kurs bringen.