Landesliga Süd: HSG Ettlingen/Bruchhausen – TGS Pforzheim 2 24:20 (10:11)

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Ettlingen_PforzheimDie Zuschauer in der Albgauhalle Ettlingen rieben sich am vergangenen Sonntagabend gegen viertel nach sieben verwundert die Augen. Waren das wirklich die Spieler der HSG Ettlingen/Bruchhausen, die da in den blauen Jerseys gegen Pforzheim aufgelaufen waren? Die bis dato torgefährlichste Mannschaft der Landesliga? Kaum vorstellbar angesichts am Ende 24 Treffern, weniger gelangen bislang lediglich bei der 28:23-Pleite in Weingarten. Der Umstand, dass es am Ende trotzdem zu zwei Punkten reichte, bringt eine (nicht) ganz neue, in den vergangenen Partien immer wieder, doch selten über einen längeren Zeitraum zum Vorschein getretene Facette ans Licht: Ein konstantes – sprich: nahezu 60 Minuten funktionierendes – Defensivkollektiv.

Dieses war diesmal auch fast alternativlos, denn das Angriffsspiel war speziell im ersten Durchgang von einer seltsamen Lethargie geprägt. Gegen einen körperlich augenscheinlich unterlegenen Gegner fehlte bei Aktionen mit Ball der zwingende Zug zum Tor. Da die Gäste auf der Gegenseite gegen das HSG-Zentrum keine Mittel fanden und die Außen ebenfalls dank der kontinuierlich in Richtung Ballseite arbeitenden Abwehrreihe vor Schlussmann Michael Deschner ebenfalls keine günstigen Wurfwinkel vorfanden, veränderten sich die Zwischenergebnisse unverhältnismäßig selten. So dauerte es knapp acht Minuten bis zur ersten Führung für die Hausherren von 3:2. Hundertprozentiger Teilhaber der Ausbeute seines Teams war zu diesem Zeitpunkt Dreifachtorschütze Julian Frauendorff. Die anschließenden zwölf Minuten waren bezeichnend für dieses Spiel. Insgesamt sieben Mal schlug es in diesem Zeitraum ein, wodurch es zehn Minuten vor dem Pausentee erst 6:6 stand. Und so ging das Schneckenrennen bis zur Halbzeitsirene seinen Gang. Den selbigen in die Kabinen trat der Gastgeber dann mit einem 10:11-Rückstand an.

Zum zweiten Durchgang stellte Trainer Philippe Lang auf eine Aufstellung mit vier ausgewiesenen Rückraumspezialisten um, was der ohnehin sattelfesten Defensive weitere Stabilität, weil Physis verlieh. Siehe die ersten zwei Drittel der zweiten 30 Minuten, in denen Torwart Felix Spohn die Male, in denen er die Kugel aus dem Netz holen musste, an einer Hand abzählen konnte. So stand es zehn Minuten vor Spielende 19:16. Drei Treffer Vorsprung, im Handball eigentlich nicht der Rede wert und diesmal angesichts der vorherrschenden Eindrücke als Meilenstein zum Sieg erscheinend. Insbesondere in Anbetracht der Tatsache, dass sich Ettlingen zu besagtem Moment in doppelter Überzahl befand, wobei eine Hinausstellung TGS-Schlussmann Jörg Ludwig betraf. Das eigentliche Kuriosum hierbei: Die Goldstädter waren ohne nominellen zweiten Keeper angereist, weshalb sich wohl oder übel ein Feldspieler zwischen die Pfosten begeben musste. Pforzheim nunmehr als Kanonenfutter. Klarer Fall von denkste! Aus vermutlich nur tiefpsychologisch zu begründeten Ursachen kamen die Totgeglaubten wie aus dem Nichts auf 20:19 heran, hatten dann aber anscheinend ihr Pulver verschossen. Die Albstädter ihrerseits zogen nochmal die Zügel an, gaben keinen Zweikampf verloren und machten mit einer Gegenstoßwelle nach der anderen alles klar – obwohl sie bei gefühlt – naja, eigentlich tatsächlich – jedem zweiten Konter eine Fahrkarte schossen. Doch das war an diesem Tag unerheblich. Viel bemerkenswerter ist der Fakt, mit am Ende 20 Gegentoren einen neuen mannschaftsinternen Saisonbestwert aufgestellt zu haben. Zum Vergleich: Die neun kassierten Buden in Halbzeit zwei setzte es in der Vorwoche in den letzten zehn Minuten!

 

HSG Ettlingen/Bruchhausen: Spohn, Deschner, Schneider – Frauendorff (5), Weiß (2), Ibach (1), H. Röpcke (4), Karasinski, Clemens, Degel (6/2), F. Röpcke, Espe (3), Ehrmann (3)