Jannis Schneibel verlängerte sein Engagement für den ThSV Eisenach bis 2026 

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Ein „echter Pfälzer Bub“ zog aus, um sein Handballspiel zu verbessern. Jannis Schneibel verließ als er das B-Jugendalter erreichte seinen Heimatverein TV Hochdorf und wechselte in die Talentschmiede der Rhein-Neckar Löwen nach Kronau. Dort entwickelte er sich so gut, dass er bereits in und dann nach seiner A-Jugend Zeit in der U23 in der Dritten Liga eine feste Größe war und auch zu Einsätze im Bundesliga Team kam. Vor anderthalb Jahren wechselte Jannis dann zum Zweitligisten ThSV Eisenach. „Wir sind ein Traditionsklub und haben auch lange in der ersten Liga gespielt. Eisenach war lange Zeit der zweitbeste Ostklub hinter Magdeburg. Wir sind kein Ausbildungsverein, aber wir wollen mit diesen jungen Spielern in die erste Liga, wir wollen sie mit unserem Konzept überzeugen,“ begründet Manager Rene Witte den Entschluss der Thüringer, dem jungen Talent die Position des Mittelsmanns zu übertragen. Inzwischen hat sich der Pfälzer bei den Eisenachern so etabliert, dass er seinen Vertrag bis Sommer 2026 verlängert hat. 

Jannis Schneibel trägt dieses Trikot bis 2026 (Foto: cls)

„Handball-Baden“ hat sich mit Trainer Misha Kaufmann und Rene Witte unterhalten, um zu beleuchten, wie es zu der Entwicklung des jungen Mannes kam. Beide sind sich einig, dass die Grundlage für den heutigen Leistungsstand in der Einstellung von Jannis zu seinem Sport zu finden ist, aber auch in der gezielten Ausbildung bei den Junglöwen. Im Gespräch mit dem engagierten Schweizer Übungsleiter kamen immer wieder neue Facetten des Pfälzer Talentes zu Tage. Misha Kaufmann beschrieb seinen Schützling als „einen zielstrebigen, fleißigen jungen Mann, der vieles selbst beeinflussen möchte, sodass er eine große Karriere anstreben kann. Er ist immer sehr fleißig und arbeitet stets akribisch. Er ist ein zuverlässiger gut erzogener Mann. Allerdings ist er auch noch ein bißchen wild.“ Der Chefcoach der Thüringer weiß, dass er dem jüngsten Mittelmann der zweiten Liga, das Vertrauen schenkt, sein Team zu führen. „Mit seinem hohen spielerischen Potential sieht er viele Sachen und kann diese auch spielerisch umsetzen, die manch Anderer nicht so spielen kann. Er ist manchmal genial, aber dann auch wieder zu genial, dass die anderen nicht lesen oder verstehen können was er vorhat. Da bin ich der Meinung, dass Jannis noch eine bestimmte Spielweise lernen sollte. Er muss lernen seine Stärken so einzusetzen, dass er seinen Stil darauf aufbauen kann. Da er sich zu oft noch in seinem Stil verfängt, muss er lernen sein Spiel nicht zu verlieren, nicht zu hastig zu sein. Die Mannschaft muss ihm als Leader vertrauen und ihm folgen. Aber auch er muss der Mannschaft vertrauen, so dass er das Spiel zu jeder Zeit lenken kann und daran arbeiten wir,“ philosophiert der sympathische Trainer. Er macht keinen Hehl daraus, dass er von der Ausbildung der jungen Handballern in Deutschland überzeugt ist und kommt aber auch im Vergleich mit seinen Erkenntnissen aus seinem Heimatland zum Fazit, dass er noch viel Arbeit in die Entwicklung seines jungen Teams stecken muss. „Die jungen Spieler sind in Deutschland sehr gut ausgebildet. Allerdings fehlt mir bei ihnen vor allem die taktische Komponente, das Zusammenspiel. Es wird sehr viel mit Kraft gemacht, man versucht sehr viel mit Tempo zu agieren. Die Mannschaftstaktik, das Gemeinsame, wie lösen wir ein Situation gemeinsam, das fehlt mir oft. Man versucht häufig mit dem Kopf durch die Wand zu gehen. Ein guter Spielzug, der mit sieben, acht gezielten Pässen, mit einem guten Timing oder eventuell mit einem Rückstoßen, auch über die Flügel gespielt wird, das sehe ich so selten,“ gibt Herr Kaufmann einen Einblick in sein Verständnis vom modernem Handball. Interessant war auch seine Antwort auf die Frage, warum Jannis in der Abwehr prinzipiell nur auf Außen zu finden ist. Der Spieler hatte vor nicht allzu langer Zeit die Vorstellung irgendwann in der Deckung auf Position zwei oder gar im Innenblock eingesetzt zu werden. Sein Trainer hat hier aber eine andere Philosophie: „ Die Frage ist immer, wo soll ein Rückraummitte decken? Es ist im Handball nicht unüblich, dass ein Mittelmann auf dem Flügel verteidigt. Das bringt verschiedene Stärken mit sich, unter anderem sich um die Tempoführung, Rhythmussteuerung von der Flügelposition zu kümmern, weil er von dort aus den besseren Überblick hat. Hanno Balic war der große Vorkämpfer für diese Taktik und ich bin auch ein Freund davon. Für Jannis ist das aber nicht nur ein „auf dem Flügel stehen“, denn er hat eine zentrale Aufgabe.“ Jannis hat in dieser Runde oft bewiesen, dass er diese Aufgabe immer besser ausfüllt. Der Schweizer Übungsleiter ist vom Potenzial seines Schützlings überzeugt und denkt, dass er Jannis jetzt nur noch tröpfchenweise in der Entwicklung weiterhelfen kann. Das nächste Tröpfchen wird sein, dass sein Mittelmann lernt, „während des Spieles zu denken“. „Jannis ist ein unglaublicher Kopf. Er soll eine Situation erkennen, wie der Gegner versucht sie zu lösen und eine Antwort darauf finden. Bei vielen Spieler fehlt dieses Potential noch, die Fähigkeit spieltaktisch die richtigen Entscheidungen zu treffen. Dahin versuche ich Jannis zu entwickeln. Er muss lernen, das Ganze zu erkennen. Wie wird der Kreis verteidigt, wie verschiebt sich die Abwehr, usw. Hier fehlt mir in der Ausbildung noch ein Leitfaden. Handball ist und bleibt ein Teamsport und ich finde es schade, wenn er nur auf zwei oder drei Personen begrenzt bleibt. Wir spielen mit sechs Angreifern und sollten wirklich alle einbinden. Der Mittelmann soll das ganz Konstrukt sehen, damit er möglichst alle einbinden kann.“

Trainer Misha Kaufmann gibt neuen Instruktionen an Jannis Schneibel (Foto: cls)

Misha Kaufmann überzeugt, wie er seine Aufgabe in Eisenach beschreibt: „Ich bin hier um gut zu sein, aber gut ist mir nicht gut genug. Ich bin hier um immer wieder besser zu werden. Mein Antrieb und meine Motivation ist, aus den Spielern das Beste heraus zu holen. Für mich gibt es keine jungen oder alte Spieler, es gibt gute und schlechte, besser noch: formbare oder nicht formbare Spieler. Willige Leute, die bereit sind sich zu entwickeln, ihre Komfortzone zu verlassen, mehr zu investieren als andere, die sind mir wichtig. Handball ist nicht nur eine Sportart, die man auf dem Feld praktiziert, sondern es sind auch Sachen, die man neben dem Spiel macht. Man muss sich mit der Materie, mit den Möglichkeiten beschäftigen, die einem zur Verfügung stehen. Man sollte versuchen, sich täglich zu verbessern, aber nicht nur handballerisch sondern auch menschlich. Wir müssen den Mensch fördern, ihn für die Sportart zu begeistern. In meinen Mannschaften hat jeder eine Aufgaben und hat einen Job zu erfüllen. Ich schenke ihnen mein Vertrauen und erwarte von ihnen, dass sie diesem Vertrauen auch nachkommen. Ich stelle den Mensch über alles. Wenn sich der Mensch entwickelt, wird auch der Handballer besser:“

Manager Rene Witte (re,) gibt die Vertragsverlängerung mit Jannis bekannt (Foto: cls)

Das Treffen mit Manager Rene Witte ergab die Gelegenheit über den ThSV Eisenach und seine Zielsetzungen zu reden. Es ist inzwischen bekannt, dass mit Robert Krass ein weiteres Talent aus der Nachwuchsschmiede der Rhein-Neckar Löwen nach Thüringen wechseln wird. Es lag natürlich nahe, Herrn Witte zu fragen, wie er ausgerechnet im Badischen nach den Talenten Ausschau hält. „Es ist überall bekannt, dass die Junglöwen eine hervorragende Nachwuchsarbeit machen. Mit den Füchsen, Magdeburg und Flensburg ist es die beste Nachwuchsarbeit, die es zur Zeit in Deutschland gibt. Dort wird seit langer Zeit gut gearbeitet. Vor allem Daniel Haase macht seit drei Jahren sehr gute Arbeit. Wir schauen uns schon lange in diesen Regionen um und Jannis ist uns schon bei den RNL 2 und der A-Jugend aufgefallen. Es war allerdings schon ein gewisses Risiko, einen jungen Spieler in der Pause zu uns zu holen, für unseren schwer verletzten Mittelmann. Damals war er gerade 20 Jahre alt geworden und wir haben ihm versprochen, dass er sich hier entwickeln und darf auch Fehler machen darf. Er hat sich in den anderthalb Jahren unfassbar gut entwickelt. Er ist ein Sportsmann durch und durch. Er lebt den Handball und für den Handball. Er ist ein absoluter Profi. Das zeigt auch, wie bei den Junglöwen gearbeitet wird, zeigt aber auch einiges über das familiäre Umfeld des jungen Spielers.“ Die Thüringer setzen aber weiter auf junge Talente und werden ihren Kader neben Robert Krass noch mit Torben Hüpke von der SG Flensburg-Handewitt und mit Cedric Marquardt vom TV Gelnhausen erweitern. Es ist inzwischen bekannt, dass unter der Wartburg guter Leistungshandball gepflegt wird und junge Talente dort gut aufgehoben sind. Sie können sich dort in einer guten Mannschaft weiterentwickeln und können auf ein professionelles Umfeld bauen. „ Wir haben unser Scouting im wesentlichen auf die Akademien ausgelegt, weil dort in punkto Technik eine hervorragende Basis gelegt wird. Zu den Zentren gehören meistens auch Drittligateams, in denen die Jungs dann die nächste Förderung erhalten, bevor sie das Jugendalter verlassen haben. Für uns ist ausschlaggebend, dass die jungen Spieler richtig guten Leistungshandball wollen und den können wir in Eisenach bieten,“ ergänzt der Manager. Der ThSV bemüht sich unter der sportlichen Leitung von Maik Nowack in den letzten Jahren auch vermehrt um den Nachwuchsbereich. „Wir sind kein Ausbildungsverein, aber wir wollen mit diesen jungen Spielern in die erste Liga, wir wollen sie mit unserem Konzept überzeugen. Wir haben inzwischen ein gutes Scouting aufgebaut, das nach unseren Möglichkeiten arbeitet. Wir suchen unter anderem nach speziellen Typen, die in unser Abwehrsystem passen. Ich glaube, dass wir mit unserem sportlichen Leiter Mike Nowack, unserem Trainer Misha Kaufmann und mir ein Team haben, das Tag und Nacht zusammenarbeitet, um unseren Kader zu formen. Wir haben in Eisenach nun auch verstärkt Nachwuchsarbeit, sind aber noch weit weg, bis wir das Niveau der Akademien erreichen können. Dazu benötigt man sicher noch fünf Jahre oder sogar mehr,“ beschreit Rene Witte die Arbeit in seinem Verein. Der Manager ist sehr froh über Jannis Vertragsverlängerung. „Er ist ein ganz feiner Kerl. Ich wünsche mir dass er jeden Tag einen Fehler macht, aber dass er immer einen neuen Fehler macht, denn dann wird er sich weiterentwickeln,“ erklärt der Manager. Jannis Schneibel fühlt sich wohl mit seinem Wechsel nach Thüringen und untermauert seinen Entwicklung mit dem Entschluss bis 2026 in Eisenach zu bleiben.