Champions League: Überragende Mannschaftsleistung ermöglichte den Löwen den Eintritt ins Viertelfinale

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Niklas
Foto: Claudia Schmitt

Karlsruhe (esch). Vor dem Anpfiff zum Rückspiel im Achtelfinale der Velux Champions League zwischen den Rhein-Neckar-Löwen und dem polnischen KS Kielce in der Mannheimer SAP-Arena gab es noch viele offene Fragen. So konnte niemand vorhersagen, wie sich die Vorkommnisse um die beiden Trainer Gudmundur Gudmundsson und Talant Dushebajew auf den Verlauf der Partie auswirken würden. Zum zweiten hatten die Löwen gegen die Startruppe aus dem östlichen Nachbarland einen Rückstand von vier Toren aufzuarbeiten und das ohne den verletzten Kapitän Uwe Gensheimer.  Und als letzte Frage blieb, ob das Mannheimer Publikum einen ähnlichen Hexenkessel wird liefern können, wie ihn die Löwen im Hinspiel in Kielce erlebten.

Zu allen Fragen lieferten die Badener am Montagabend eine positive Antwort. Nimmt man die erwarteten Pfiffe gegen den spanischen Trainer in Diensten der Polen vor Beginn der Begegnung einmal aus, fand dieses Spiel trotz aller Bedeutung in einer sportlichen Atmosphäre statt. Mit dem Anpfiff konzentrierten sich alle Akteure und die Betreuer beider Mannschaften ebenso nur noch auf das Geschehen auf dem Spielfeld, wie es auch die Anhänger aus beiden Lagern auf den Rängen taten. In den sechzig Minuten entwickelte sich von Beginn an ein wahrer Handballkrimi, der für die Gastgeber das erhoffte gute Ende nahm. Mit einem 27:23 Erfolg egalisierten die Löwen die 32:28 Niederlage aus dem Hinspiel und ließen dabei so wenige  Gegentore zu, dass die sogenannte Auswärtsregelung das Weiterkommen in die nächste Runde ermöglichte. Ein wesentlicher Faktor war neben der Mannschaftsleistung auch der achte Mann auf den Zuschauerrängen. 8 8o5 Handballbegeisterte trieben gerade in der entscheidenden Phase zu Beginn der zweiten Hälfte das badische Team nach vorne und standen wie eine Wand hinter ihren Helden. Entsprechend groß war die Freude nach dem Abpfiff der mazedonischen Schiedsrichter und entsprechend lang dauerte dann auch die Party an.

Der Start in diese wichtige Begegnung gelang allerdings nicht positiv, denn schon in der ersten Minute schickten die Schiedsrichter Abwehrstratege Nikolai Manojlovic ohne jegliche Verwarnung für zwei Minuten auf die Bank. Aber Niklas Landin-Jacobsen, der in Kielce schon nach einer Viertelstunde ausgewechselt wurde, kündigte an, dass dies ein anderes Spiel werden würde. Mit zwei Paraden gegen Michael Jurecki und Kreisläufer Julen Aguinagalde  verhinderte der Löwen-Keeper einen Rückstand in Unterzahl. Gegen den nächsten Versuch von Jurecki war danach aber kein Kraut gewachsen und Kielce ging in Führung. Der Schwede Kim Ekdahl du Rietz sorgte aber postwendend für den Ausgleich und ließ keinen Zweifel aufkommen, dass seine Farben den Kampf angenommen hatten. Noch einmal gerieten die Gudmundsson Schützlinge in Rückstand durch einen Treffer von Jurecki, der die ersten drei Tore für die Gelbhemden besorgte. Nach dem Ausgleich durch Spielmacher Andy Schmid, der zunächst Gensheimer an der Siebenmeterlinie vertrat und dem Tor durch Manojlovic lagen die Gastgeber das erste Mal in Front und behielten den Vorteil bis zum Ende der Partei . Die Gäste konnten höchstens noch zum Ausgleich kommen, aber nie mehr in Führung gehen. Der dänische Torhüter der Gastgeber kam immer mehr auf Betriebstemperatur und zeigte mit sensationellen Reflexen den gegnerischen Angreifern öfters die Grenzen auf. Die 4:3 Führung durch du Rietz baute Patrick Groetzki zur ersten zwei Tore Differenz aus, als er einen schnellen Gegenstoß, eingeleitet durch Landin-Jacobsen, sicher im polnischen Gehäuse unterbrachte. Im folgenden Spielabschnitt legten die Hausherren immer wieder einen Treffer drauf und die Gäste mussten darum kämpfen, den Anschluss nicht zu verlieren. In der 18. Minute hielt Landin-Jacobsen den ersten Siebenmeter und Bjarte Myrhol überwand im nächsten Angriff den polnischen Nationaltorhüter Slawomir Szmal im Tor Kielces. Die Nummer eins beim angehenden polnischen Meister hütete von 2005 bis 2011 das Tor der Badener. Neben dem Schlussmann waren auch seine Kollegen Karol Bielecki, Ivan Cupic, Grzegorz Tkaczyk und Krzysztof Lijewski schon in Diensten der Löwen, was der Begegnung eine zusätzliche Brisanz brachte. Als Szmal  einen Wurfversuch von Schmid von der Linie vereitelte und auch den Nachwurf des Schweizers parierte, kam Kielce das erste Mal wieder zum Ausgleich zum 10:10. Im folgenden Angriff erwies sich Schmid treffsicherer und schaffte abermals die Führung. Den Gästen unterliefen in dieser Phase einige Fehler, die auch zu Zeitstrafen führten. Gensheimer Vertreter Stefan Sigurmannsson war fortan zur Ausführung der Strafwürfe auserkoren und erledigte diese Aufgabe souverän. Er netzte den ersten Siebenmeter zur 12:10 Führung ein, kassierte aber im Gegenzug eine Zeitstrafe, die Kielce zum erneuten Ausgleich zu nutzen wusste. In der Schlussphase übernahmen dann Alexander Petersson und Sergey Gorbok das Kommando und sorgten jeweils mit einem Doppelpack zur 16:14 Führung zur Pause. Die geringe Torausbeute war ein Indiz für die effiziente Abwehrarbeit auf beiden Seiten und den exzellenten Torwartleistungen.

 

Nach dem Wechsel bestimmte in den ersten zehn Minuten ein Mann das Geschehen und das war die Nummer 20 im Löwentrikot, der dänische Nationaltorhüter Landin-Jacobsen. Mit sechs Paraden in der Startphase zur zweiten Hälfte, darunter erneut ein gehaltener Strafwurf, zeigte der Däne, dass er das Prädikat Weltklasse verdient und er wurde damit zum Garant, so dass seine Vorderleute den Vorsprung beim Stand von 20:15 erstmals auf fünf Treffer ausbauen konnte. Leider wurden in der Folgezeit einige Gelegenheiten leichtsinnig vergeben. Die Gäste nutzten die Chancen und kämpften sich auf 21:19 heran. Mitte der zweiten Hälfte drohte die Partie sich zugunsten der Polen zu wenden, ehe Schmid, Groetzki und wieder Sigurmannsson von der Linie den alten Abstand wieder herstellten. Während Petersson eine Zeitstrafe verbüßte, parierte Landin-Jacobsen seinen dritten Siebenmeter und hielt sein Team auf Kurs. Sein Gegenüber im Gehäuse der Gäste hatte zehn Minuten vor dem Ende seinen großen Auftritt, als er mit zwei tollen Paraden gegen Groetzki und Zarko Sesum verhinderte, dass seine Mannschaft entscheidend in Rückstand geriet. Mit einer Differenz von fünf Toren, was gleichzeitig das Weiterkommen garantieren würde, gingen die Löwen in die Schlussphase. Der polnische Spielmacher Uros Zorman tankte sich durch und verkürzte. Kielce stand damit in der nächsten Runde. Schon im nächsten Angriff forderte Groetzki den Jubel der Fans heraus, denn mit seinem Treffer hatten die Löwen wieder die Nase vorn. In dieser Schlussphase war die Unterstützung von den Rängen unbeschreiblich, denn jeder wusste, dass jedes Tor oder jeder Gegentreffer die Tür zum Viertelfinale öffnen oder schließen würde. Der Linksaußen von Kielce, Thorir Olafsson, verkürzte auf 25:22 und ließ damit seine Mannschaft jubeln. Der Krimi war aber noch nicht zu Ende, sondern steuerte seinem Höhepunkt zu. Gästetrainer Dushebajew erklärte nach dem Spiel, dass in den letzten fünf Minuten erneut Landin-Jacobsen den Unterschied ausmachte. Mit drei sensationellen Reaktionen gegen Aguinagalde und zweimal gegen Zorman verteidigte er die Führung von fünf Toren, die Myrhol und Petersson herausgeworfen hatten. Kielce war eine halbe Minute vor dem Ende noch durch Kapitän Tkzaczyk ein Tor gelungen, aber die Badener brachten den notwendigen Vorsprung von vier Treffern sicher nach Hause und zogen damit in das Viertelfinale eine.

Das Löwenrudel ging nach dem Schlusspfiff auf die verdiente Ehrenrunde und wurde von den fast neuntausend Zuschauern frenetisch gefeiert. Der Erfolg war abermals eine Leistung der gesamten Mannschaft, die in jeder Phase der Begegnung zeigte, welch tollen Handballsport sie bieten kann. Überragend gegen die polnische Startruppe war neben Landin-Jacobsen vor allem in der zweiten Halbzeit die kompakte Abwehr der Löwen. Weltstars wie Zorman, Jurecki oder Lijewski nur neun Tore in Hälfte zwei zu erlauben, zeugt von intensiver Arbeit.

Gudmundsson: „Ich glaube wir haben ein fantastisches Handballspiel gesehen. Beide Mannschaften haben sehr guten Handball geboten. Ich bin sehr stolz auf meine Mannschaft, die Art und Weise wie sie gespielt hat, in Angriff und in der Abwehr. Natürlich war Niklas Landin heute überragend. Ich bin sehr glücklich, dass wir uns für die nächsten Runde qualifiziert haben.“

Dushebajew: „Ich denke es war ein sehr enges Spiel mit zwei sehr guten Mannschaften. Für mich machte Niklas Landin den Unterschied aus. Mit meinem Team bin ich sehr zufrieden, denn es hat in beiden Spielen gekämpft, aber so ist eben Sport. Wir werden versuchen, es im nächsten Jahr besser zu machen.“

Gensheimer: „Ich vertrete heute mein Team obwohl ich nicht gespielt habe. Es war hart für mich von der Bank aus erleben zu müssen, wie eng die Begegnung immer war. Es ein spannendes und fantastisches Handballspiel. Kielce hat ein begeisterndes Team, aber wir haben es geschafft mit viel Leidenschaft und hoher Motivation in die Partie zu gehen. Wir haben natürlich auch für unseren Coach gespielt. Wir sind sehr glücklich, dass wir gewonnen haben.

Für die Rhein-Neckar Löwen spielten: Niklas Landin-Jacobsen, Goran Stojanovic   –  Andy Schmid (3/1), Uwe Gensheimer, Oliver Roggisch, Zarko Sesum, Issaias Guardiola, Nikolai Manojlovic (1), Sergey Gorbok (2), Patrick Groetzki (5), Gedeon Guardiola, Alexander Petersson (3), Kim Ekdahl du Rietz (3), Stefan Sigurmannsson (5/5), Bjarte Myrhol (5), Rajko Prodanovic.

Für KS Vive Targi Kielce spielten: Slawomir Szmal, Venio Losert   –  Piotr Grabarczyk, Michal Jurecki (5), Grzegorz Tkaczyk (3), Thorir Olafsson (2), Piotr Chrapkowski (3/2), Julen Aguinagalde (1), Karol Bielecki (2), Mateusz Jachlewski, Manuel Strlek (3), Krzysztof Lijewski (2), Denis Buntic, Zeljko Musa, Uros Zorman (1), Ivan Cupic (1).