DKB HBL: Rhein-Neckar-Löwen : SC Magdeburg 32:26 (17:13)

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Rhein-Neckar-Löwen  Auftritt in drei Akten

GorbokKarlsruhe (esch).  In der SAP-Arena Mannheim erlebten 5940 Zuschauer eine Begegnung die in drei Akten über die Bühne ging. Am Ende stand ein 32:26 Sieg der Rhein-Neckar-Löwen über den Kontrahenten SC Magdeburg zu Buche und damit die Rückkehr auf den zweiten Tabellenplatz. Nach dem Unentschieden im Hinspiel hätte man den Toreabstand für normal erachtet, nicht aber  nach dem Verlauf der Begegnung, so dass nach dem Schlusspfiff trotz der Freude über den Sieg einige kritische Töne zu vernehmen waren. Sowohl Trainer Gudmundur Gudmunsson wie auch Manager Thorsten Storm äußerten sich enttäuscht darüber, dass gegen Ende der Partie Pfiffe von den Zuschauerrängen zu vernehmen waren. Betrachtet man den Spielverlauf, kann man Verständnis für die Enttäuschung auf beiden Seiten aufbringen.

Die Dramaturgie im Spiel zwischen dem Vierten und Neunten der DKB-Handball-Bundesliga lässt sich an den Zahlen zwanzig, dreißig und zehn festmachen. In den ersten zwanzig Minuten boten die Akteure aus der Landeshauptstadt von Sachsen-Anhalt eine konzentrierte Leistung und führten zu diesem Zeitpunkt verdient mit 10:13. Im folgenden Spielabschnitt drehten dann die Badener auf und legten in dreißig Minuten einen 19:2 Lauf hin, der ihnen eine 29:15 Führung einbrachte. Da das Spiel zehn Minuten vor dem Ende schon längst entschieden war, begann Trainer Gudmundsson seine Startsieben zu schonen und gönnte seinen anderen Spielern die nötigen Einsatzzeiten. Es kam zu einem Bruch im Spiel der Gelbhemden, den die Gäste nun zur Ergebniskosmetik nutzten. In der Schlussphase legten die Magdeburger einen 3:11 Lauf hin, den sie aber nicht einer eigenen Leistungssteigerung zu verdanken hatten, sondern eher den Schwächen im Löwen-Spiel. Die Maßnahme des Löwen Coaches ist in Anbetracht der hohen Belastung, die seine Mannschaft im Augenblick bringen muss, mehr als verständlich. Aus diesem Grund muss man auch seine Enttäuschung verstehen, die in befiel als er die vereinzelten Pfiffe von den Rängen vernahm.

 

KneerDen Torreigen eröffnete Nationalrechtsaußen Patrick Groetzki schon mit dem ersten Angriff. Doch schon im Gegenzug glich Stefan Kneer aus, der in der kommenden Runde ja das Löwen-Trikot tragen wird. Die Gäste aus dem neuen Bundesland agierten in der Anfangsphase aus einer sehr sicheren Abwehr und trugen ihre Angriffe sehr geduldig vor. Bis zur zehnten Minute gingen die Magdeburger immer wieder in Führung, wobei ihnen beim 3:5 erstmals ein Vorsprung mit zwei Toren gelang. Sergej Gorbok, der in dieser Partie in der Startsieben im linken Rückraum begann, hielt mit zwei Treffern seine Farben im Spiel. In der zehnten Minute, nach dem erneuten Ausgleich durch Bjarte Myrhol, wechselte Gästetrainer Uwe Jungandreas auf der Torhüterposition und brachte Dario Quenstedt zwischen die Pfosten. Der Nationalspieler führte sich blendend ein, in dem er Versuchen  von Uwe Gensheimer und Gorbok den Weg ins Tor verwehrte. Seine Vorderleute waren erfolgreicher im Ausnutzen der Chancen und führten wieder mit zwei Toren. Mitte der ersten Hälfte war es der polnische Kreisläufer, Bartosz Jurecki, der sein Team nun sogar mit drei Toren in Front warf. Das 8:11 war Trainer Gudmundsson zu viel und er legte den grünen Karton auf den Tisch und ersetzte Goran Stojanovic, der im Tor begonnen hatte, durch Niklas Landin-Jacobsen. Zwar konnten Groetzki und Spielmacher Andy Schmid mit ihren Erfolgen verhindern, dass ihre Farben noch höher in Rückstand gerieten, aber so richtig lief der Löwen Motor noch nicht rund. Der isländische Trainerfuchs hatte in der Auszeit seine Deckung umgestellt, die allmählich zu funktionieren begann. Beim Stand von 10:13 schafften es die Gastgeber drei Angriffe des Gegners erfolgreich abzublocken und kamen über einen schnellen Gegenstoß von Groetzki und zwei Tore des Kapitäns Gensheimer erstmals wieder zum Ausgleich bei 13:13. Die Traditionsmannschaft aus Sachsen-Anhalt fand gegen die veränderte Deckung der Gastgeber keine Lösung mehr und blieb bis zum Pausenpfiff ohne jeden weiteren Torerfolg, zumal auch Landin-Jacobsen seine außergewöhnlichen Fähigkeiten einzusetzen wusste. Die Gelbhemden machten zusätzlich nach vorne ordentlich Druck, brachten vor allem  schnelle Gegenstöße und die zweite Welle erfolgreich zum Abschluss. Zweimal Schmid und Gensheimer sowie Groetzki und Nikolai Manojlovic erhöhten bis zu Halbzeit auf 17:13.

Nach dem Wechsel lief die Partie etwas hektisch an, in der eigentlich nur Landin-Jacobsen einen kühlen Kopf bewahrte. Zunächst parierte der Däne einen Siebenmeter von Robert Weber und reagierte bei einem Wurfversuch von Andreas Rojewski glänzend. Ab der 34. Minute begann dann die Maschinerie der Löwen so richtig auf Touren zu kommen. Landin-Jacobsen hielt in der nächsten Viertelstunde seinen Kasten sauber und vorne netzten seine Kollegen insgesamt elfmal ein, so dass die Badener uneinholbar auf 28:14 davongezogen waren. Magdeburg wirkte gegen diese Spielweise der Gelbhemden regelrecht hilflos. Selbst eine Auszeit von Trainer Jungandreas konnte die Angriffswelle der Löwen nicht stoppen. Da die Begegnung Mitte der zweiten Hälfte schon deutlich entschieden war, begann Trainer Gudmundsson einige seiner Leistungsträger zu schonen. So brachte er Stefan Sigurmannsson für Gensheimer und Zarko Sesum für Schmid, was etwas Unruhe in das Spiel der Hausherren brachte. Der SCM nutzte diesen Umstand zu drei Treffern in Folge und betrieb somit die erste Ergebniskosmetik. Bei den Badenern war die bisher gezeigte Präzision aus der Partie und es unterliefen eine Reihe von leichten Fehlern, sowohl im Angriff wie auch in der Abwehr. Die Mitteldeutschen kamen so zu sieben weiteren Toren, so dass der Vorsprung in der 58. Minute auf sechs Treffer geschmolzen war. Eine halbe Minute vor dem Ende versenkte Sesum den 32. Treffer im Gehäuse der Gäste. Den Schlusspunkt setzte dann Rojewski, der mit dem Schlusspfiff mit seinem Tor den Endstand von 32:26 markierte.

Stimmen zum Spiel:

Trainer Gudmundsson: „Von unserer Seite war dieses Spiel sehr wechselhaft. Ich war nicht zufrieden wie wir in den ersten achtzehn Minuten gespielt haben. Vor allem in der Abwehr haben wir nicht gut gespielt. Dann haben wir die Abwehr umgestellt auf eine 5:1 Formation und das hat sehr gut funktioniert. Wir haben dann insgesamt besser gespielt. Ich muss meiner Mannschaft ein Lob für diese dreißig Minuten geben, in der wir einen 18:2 Lauf hinlegten. Es war aber sehr schwierig die Konzentration über die ganze Zeit so hoch zu halten. Die Spieler wollen natürlich auch versuchen Kräfte zu schonen, da sie am Mittwoch schon das nächste schwere Spiel gegen Bad Schwartau haben. Ich war dann enttäuscht, dass die Zuschauer gepfiffen haben.“

Manager Storm: „Einen solchen Lauf habe ich in der Bundesliga noch nicht erlebt und es war eine tolle Phase in diesem Spiel. Entscheidend war für die taktische Umstellung unseres Trainers, denn darauf hat Magdeburg einfach keine Antwort gehabt. Ich kann es auch unterstreichen, dass die Spieler enttäuscht über die Reaktion einiger Zuschauer waren. Aber dennoch haben wir heute gezeigt, dass wir eine Mannschaft haben.“

Trainer Jungandreas: „Wir müssen nicht darüber reden, dass der Sieg der Löwen in Ordnung geht. Das Beste war für uns heute das Ergebnis von 32:26, denn zwischendurch sah es für uns ganz anders aus. Am Anfang hat man sowohl im Angriff wie in der Abwehr gesehen, was wir uns vorgenommen hatten. Bis zum 10:13 war für uns die Welt auch noch in Ordnung. Doch was dann kam bleibt unverständlich. Die Löwen hatten die Abwehr umgestellt, wir bekamen eine Zeitstrafe und die Spieluhr fiel aus, so dass bei uns eine Hektik entstand, die für mich unerklärlich ist. In dieser Phase haben wir den Faden verloren. Das darf einer so erfahrenen Mannschaft wie Magdeburg einfach nicht passieren. Wir haben dreißig Minuten in allen Mannschaftsteilen versagt, so dass wir aussichtslos zurück lagen. Das Positive kam dann, dass es noch zu einem vertretbaren Ergebnis gekommen ist.“

Für die Rhein-Neckar Löwen spielten: Niklas Landin-Jacobsen (ab 17.), Goran Stojanovic –  Andy Schmid (5), Uwe Gensheimer (8/2), Zarko Sesum (1), Issaias Guardiola, Nikolai Manojlovic (1), Sergej Gorbok (2), Bjarte Myrhol (2), Patrick Groetzki (7), Gedeon Guardiola, Alexander Petersson (4), Kim Ekdahl Du Rietz (1), Stefan Sigurmannsson (1/1).

Für den SC Magdeburgspielten: Gerrie Eijlers, Dario Quenstedt –  Stefan Kneer (4), Andreas Rojewski (6), Matthias Musche (1), Kjell Landsberg (1), Fabian van Olphen (1), Jure Natek, Yves Grafenhorst, Michael Haaß, Marko Bezjak (1), Robert Weber (8/6), Bartosz Jurecki (4).

Quelle: Erich Schütt